Interview mit Cliff Jackson

on Wednesday, 21 August 2019. Posted in Musik

Gründungsmitglied von Epitaph im Gespräch mit A.C. Braun

Interview mit Cliff Jackson

Deutschrock at it's best rollt im Dreierpack auf Burglengenfeld zu. Jane, Fargo und Epitaph werden am 21. September im VAZ ein Fest für die Fans zelebrieren. Endlich möchte man sagen, denn diese Bands haben sich über all die Jahre in Bayern sehr rar gemacht. Dabei sind sie allesamt maßgebliche Größen in der deutschen Rockszene und begeistern seit Jahrzehnten mit Classic und Progressiv Rock die Fans. Epitaph wurden 1969 gegründet und sind vielen in der Region u.a. durch ihre grandiosen 70er-Jahre-Auftritte auf den Festivals in Rötz in Erinnerung. In den letzten Jahren hat die Band einige hochklassige Alben veröffentlicht und war auch viel unterwegs. Ihr jüngstes Opus "Long Ago Tomorrow" hat das Zeug zum Klassiker, wie einst ihr legendäres "Outside The Law". Alois C. Braun sprach mit Bandgründer Cliff Jackson über das neue Album, die Geschichte der Band und die Tournee.


er-em-online: Ihr spielt über das ganze Jahr verteilt diverse Auftritte mit Fargo und Jane. Wie kam es zu dieser Tour?
Cliff Jackson: Wir haben alle in Hannover angefangen und kennen uns schon lange. Epitaph gibt es ja inzwischen 50 Jahre. Wir wollen diese Musik wieder mehr bekannt machen, deshalb auch diese gemeinsame Tour, die uns endlich auch zu mehreren Konzerten nach Bayern führt. Alle drei Bands und deren Musiker haben eine absolut professionelle Einstellung und machen wunderbare Musik.

er-em-online: Zu euren besonderen Merkmalen gehören der Harmoniegesang und die Twingitarren-Soli. Welche Vorbilder standen bei eurem Sound Pate?
Cliff Jackson: Für die Gitarren waren die Allman Brothers damals ein Vorbild und natürlich spielten die Beatles eine große Rolle. Ich bin zusätzlich noch sehr Westcoast-orientiert, liebe z. B. CSNY. Von Anfang an wollten wir auch immer viel Dramatik in der Musik haben.

er-em-online: Das neue Album "Long Ago Tomorrow" ist wieder toller Classic Rock mit allen Trademarks von Epitaph. Wie entstehen eure Songs?
Cliff Jackson: Für diese CD entstand etwa die Hälfte im Proberaum bei Sessions. Ansonsten probieren wir auch mal beim Soundcheck neue Songs und Ideen aus. Einige Titel sind auch von Bernie (Anm.: Bassist Bernd Kolbe) und mir alleine geschrieben worden.

er-em-online: Herausragend ist der Titelsong, nicht nur wegen der dynamischen Komposition, sondern u.a. auch wegen der Geige.
Cliff Jackson: (lacht) Das ist mein Lieblingstitel der neuen Scheibe. Der Song ist progressiv, dramatisch und voller Dynamik. Der Geiger Tim Reese, der auch mit Truck Stop arbeitet, war bereits auf unserem Akustikalbum mit dabei. Das hat so hervorragend geklappt, dass wir ihn auch auf dem neuen Album haben wollten. Das Ergebnis ist im Song  "Long Ago Tomorrow" zu hören. Ich denke grundsätzlich, dass man auch auf diesem Album wieder hört, dass uns die Kreativität und das Spielen noch riesig Spaß machen. Wir wollen keine halben Sachen, sondern immer auch etwas Spezifisches ausdrücken. "Windy City" und "Lost In America" etwa beschäftigen sich mit der Vergangenheit von Epitaph.

er-em-online: Vergangenheit ist ein gutes Stichwort. Euren Klassiker "Outside The Law" habt ihr damals in Chicago aufgenommen. Wie war es, als Youngsters plötzlich in den USA zu arbeiten?
Cliff Jackson: Es war damals ein richtiger Kulturschock für uns. Wie in den 70ern oft üblich wohnten wir zusammen als WG in der Lüneburger Heide. Und auf einmal landeten wir in einer der größten Städte der Welt mit dem damals höchsten Gebäude der Welt, dem Sears Tower. (Anmerkung: seit 2009 umbenannt in Willis Tower). Es war einfach fantastisch, wir wurden so gut aufgenommen und waren einfach auch stolz in dieser Rockcity ein Album aufnehmen zu können. Chuck Berry und die ganzen Bluessachen kommen ja von dort und dem gesamten Mittleren Westen.

er-em-online: Ihr wurdet ja zeitweise als das "nächste große Ding" gehandelt. Letztendlich wurde trotz all der Qualitäten der Band nichts daraus. Auch, weil die Plattenfirma Billingsgate  pleite ging...
Cliff Jackson: Wir waren damals die erste deutsche Band in den Staaten. Da war alles komplettes Neuland. Mit Unterbrechungen haben wir fast zwei Jahre dort gearbeitet und auch viele Konzerte gespielt. Dadurch haben wir Deutschland vernachlässigt und nur Festivals oder Touren, wie etwa mit Status Quo, gespielt. Dadurch haben wir viel Land verloren, was sich vor allem dann ausgewirkt, als Billingsgate in Konkurs ging. Eigentlich war das eine tolle Plattenfirma, aber sie hatten einfach nicht die finanziellen Möglichkeiten, um uns in letzter Konsequenz zu unterstützen und wirklich groß zu machen.

er-em-online: In deiner Bio steht, dass du auch viel Blues gehört und gespielt hast und u.a. auch Big Bill Broonzy magst. Hörst du immer noch Blues?
Cliff Jackson: Ich höre Bonamassa, mag King King sehr gerne, die mich an die Hauptzeit von John Mayall erinnern, oder auch Kenny Wayne Sheperd. Epitaph hat ja auch als Bluesband angefangen. Wir waren etwa zwei Jahre lang die Begleitband von Günter Boas, dem damals besten deutschen Bluespianisten.

er-em-online: Epitaph gibt es jetzt 50 Jahre. Woher nimmst du nach all der Zeit und vor allem nach all den Tiefschlägen, den Umbesetzungen, den Veränderungen im Musikgeschäft, immer noch die Motivation für die Band?
Cliff Jackson: Es ist zunächst einmal die Musik selbst, die mich motiviert und es ist immer wieder eine wahnsinnige Erfahrung, mit Epitaph auf der Bühne zu stehen. Wir sind alle noch immer gute Freunde und kreativ, wie in alten Zeiten. Wir haben damals aus purer Freude an der Musik angefangen, ohne jegliche Aussicht jemals eine Plattenvertrag zu bekommen. Und bis heute ist der Erfolg eigentlich zweitrangig.

er-em-online: Ich habe Epitaph in den 70ern mehrmals im Bayerischen Wald auf den Festivals in Rötz gesehen. Erinnerst du dich an diese Auftritte?
Cliff Jackson: (erfreut) Oh ja, das war ja damals ein sehr bekanntes Festival. Wir waren immer sehr gerne dort. Gibt es das Festival noch?

er-em-online: Leider nein, damals hat dort ja die Crème de la Crème des Deutschrock gespielt. Aber kommen wir zurück in die Gegenwart: Momentan wird ja viel über Woodstock geredet. Welche Bedeutung hat das Festival für dich?
Cliff Jackson: Das Festival und vor allem der Film haben diese Musik damals gesellschaftsfähig gemacht. Es war ja bis dahin Undergroundmusic. Woodstock ist vom Status her wie die Beatles, beide haben auf ihre Weise die Rockmusik in die Gesellschaft gebracht. Und der Verlauf des Festivals hat gezeigt, dass sehr viele Leute friedlich zum Musikhören zusammen kommen können.

er-em-online: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.
Cliff Jackson: Ich habe zu danken. Wir freuen uns sehr, wieder in Bayern zu spielen und unsere neue CD zu promoten.

Epitaph, Jane und Fargo spielen am 21. September im VAZ Burglengenfeld.

(Alois C. Braun)

Fotokredit: Band-Homepage