Little Steven & The Disciples Of Soul

on Wednesday, 14 August 2019. Posted in Nachschau

Kritik zum Konzert am 13. August im Serenadenhof in Nürnberg

Little Steven & The Disciples Of Soul

Seit seinem glorreichen Auftritt beim 11. WDR-Rockpalast im Jahre 1982 gilt Little Steven, aka Steven van Zant, mit seiner Band, den Disciples Of Soul, als einer der versiertesten Live-Acts überhaupt. Danach ließ er sich viele Jahre Zeit, bis er wieder nach Deutschland auf Tour kam, im Sommer 2017. Damals auch mit einem Auftritt im „Airport“ in Obertraubling. Für seine nächste Tour ließ er sich nicht mehr so lange Zeit, im Frühjahr 2019 stand er wieder auf der Bühne, im Gepäck ein neues Album mit dem Titel „Summer of Sorcery“. Weil diese Tournee so erfolgreich war, kam er jetzt im Sommer gleich nochmal für drei Shows nach Deutschland, diesmal auch mit einem Abstecher nach Bayern – nach Nürnberg in den Serenadenhof. Und gleich vorweg: es war eine begeisternde Show, die Little Steven und seine Disciples of Soul am 13. August bei diesem Konzert ablieferten. Mit seiner 14-köpfigen Combo (darunter fünf Bläser und drei Backing-Sängerinnen), fast schon eine Bigband, zündete er gut zwei Stunden lang ein musikalisches Feuerwerk und nahm das Publikum mit auf eine kurzweilige Reise in die musikalische Vergangenheit von R'n' R der 50ies, 60ies Beat, Old-School-Soul, Funky Groove à la James Brown und Latin Dance im Stil von Tito Puente. Damit riß er mit seiner Band das Publikum in der gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Location vom ersten Ton an mit, und von den Stühlen. Man merkt – im Vergleich zur Show von 2017 im „Airport“ – dass diese Band jetzt aufeinander eingespielt ist, da wird leidenschaftlich musiziert, wenn gleich oldschool-mäßig, also ohne besondere Gimmicks und Effekte – einfach die Musik - „horn- und guitar-driven“ - und das reicht. Auch dass Little Steven keine umwerfende Stimme hat, stört nicht, denn sein Charisma und diese absolute Lust und Lockerheit des Auftritts machen das allemal wett. Little Steven und seine Band verströmen an diesen, nicht ganz heißen, Sommerabend, die magische Aura des Rock’n’Roll mit ihrer Mischung aus 60ies Beat, Soul und Pop, Funk und Rock. Die Songs des neuen Albums zündeten genauso wie seine Klassiker wie beispielsweise „Camouflage Of Righteousness“, „Los Desaparecidos“, „Out of the darkness“ oder „Bitter Fruit“. Und immer wieder gab’s interessante Ansagen. So wurde er vor dem Reggae-lastigen „I Am A Patriot“ sogar kurz politisch und kam zur Erkenntnis, dass Englisch nicht mehr die „universal language“ sei, sondern „Bullshit“. Keine Frage, was er da meint. Oder, wenn er das in Doo-Woop-Romantik schmachtende „A World Of Our Own“ als Hommage an die Girl-Bands der Sechziger vorstellte. Und allen Lehrern widmete er den Song „Education“. Nach gut zwei Stunden war erst mal Schluss, doch dann folgten noch mehr als 30 Minuten als Zugabe, u.a. mit „Sun City“, dem Anti-Apartheit-Song gegen das weiße Südafrika und als Rausschmeißer „Soul Power Twist“, bei dem nochmal richtige Party-Stimmung im Publikum herrschte und mit dem dieses musikalische Feuerwerk zu Ende ging. Das war zwar seine letzte Deutschland-Show für dieses Jahr, aber Bruce Springsteen soll ja nächstes Jahr nach Europa auf Tour kommen, und da ist Little Steven garantiert dabei! (no.men)
Fotokredit: A.C.Braun